Originaltitel: Duplicity
Herstellungsland: D / USA 2009
Länge: 125 min.
Regie: Tony Gilroy
Buch: Tony Gilroy
Darsteller: Clive Owen, Julia Roberts, Tom Wilkinson, Paul Giamatti, Denis O´Hare, Ulrich Thomsen
Owen & Roberts ##Fotos: Kinoveranstalter##
Da wäre auf der einen Seite die CIA-Agentin Claire Stenwick (Julia Roberts) und auf der anderen MI6-Agent Ray Koval (Clive Owen). Beide treffen sich, zufällig oder nicht, bei einem Einsatz und landen im Bett. Ray wacht am nächsten Tag allein auf: Claire ist über alle Berge samt wichtiger und geheimer Dokumente von ihm.
Jahre später treffen sie sich wieder. Mittlerweile sind beide Sicherheitsberater bei jeweils konkurrierenden Kosmetik-Firmen. Da sich die zwei Ex-Agenten aber für besonders clever halten, planen sie, die Firmen gegeneinander auszuspielen und sich die kostbare Formel eines Haarwuchsmittels unter den Nagel zu reißen.
Welche Rolle Richard Garsik (Paul Giamatti) und Howard Tully (Tom Wilkinson) dabei spielen ist zunächst noch unklar...mal ganz zu schweigen davon, wie die Sache für Claire und Ray ausgeht.
Erst kürzlich wurde „Duplicity" von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) mit dem Prädikat „besonders wertvoll" ausgezeichnet. Warum ist mir jedoch ein Rätsel. Aber dass die FBW schon ab und zu Scheiße für Gold verkauft hat, zeigen die jüngeren Verleihungen desselben Prädikats für Filme wie „Der Tag, an dem die Erde stillstand" mit Keanu Reeves oder „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" von Steven Spielberg.
Das Filmplakat
Seltsam, dass ein Film wie „Duplicity" doch so hinter den Erwartungen zurückbleibt. Dabei war das überhaupt nicht abzusehen, hat er doch mit Tony Gilroy (Autor der „Bourne"-Trilogie) einen genialen Drehbuchautoren, der sein Händchen für die Regie schon ein mal mit „Michael Clayton" extrem eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte.
Hinzu kommen vier Hochkaräter in Sachen Charakterdarstellung: Paul Giamatti, der fieseste fiese Bösewicht aus „Shoot`Em Up", endlich mal wieder Julia Roberts, die sich sehr rar gemacht hat in letzter Zeit - der große Tom Wilkinson, der es George Clooney nicht einfach machte in „Michael Clayton" und der derzeit smarteste und coolste „Vize-007" Clive Owen.
Giamatti & Wilkinson
Das große Problem von „Duplicity" liegt in der Inszenierung und Umsetzung der Geschichte. Gilroy dirigiert nicht so bewährt wie sonst und scheint kein Gespür dafür gehabt zu haben, wie hier Spannung erzeugt wird. Der Film ist zu textlastig, verfranzt sich dadurch in Nebenhandlungen und verliert extrem an Fahrt, Tempo und Rhythmus.
Als Zuschauer wird man von der komplexen Handlung überfordert - gerade auch dadurch, dass immer wieder Rückblenden auftauchen und man nie genau weiß, wo man sich gerade befindet und welche Bedeutung dahinter steckt.
Nur allzu selten blitzen Kniffe im Drehbuch auf oder kommt Charme und Screwball-Witz ins Spiel und überhaupt möchte „Duplicity" zu sehr der kleine Bruder von „Ocean´s Eleven" sein. Es gibt eine Menge Parallelen, Gemeinsamkeiten und Stilmittel:
Owen & Roberts
Die Musik ist auffallend ähnlich, auch wenn sie hier sparsamer, gezielter und dezenter eingesetzt wird. „Duplicity" beginnt mit einer Slow-Motion-Sequenz (Kampf zwischen Giamatti und Wilkinson) - die Ocean-Trilogie verwendet sie immer nur kurz als Stilmittel.
Inspiriert war Regisseur Gilroy wohl auch von den tollen Split-Screen Szenen aus Teil 1. Er wählt jedoch eine andere Form und lässt mehrere Bilder einfliegen, einzoomen, wegschieben und
-wischen.
Auch die Kameraeinstellungen und -fahrten sind ähnlich denen aus „Ocean´s Eleven": z.B die Nähe zwischen Clive Owen und Julia Roberts, wie zwischen George Clooney und Catherine Zeta-Jones (sich
gegenüber sitzend).
Wie Ocean´s Crew planen die beiden Protagonisten einen großen Coup, um sich zu bereichern.
Selten, aber auffallend werden Schiebeblenden verwendet, um von einer in die nächste Szene zu schneiden - bei den Ocean-Filmen wird das ausgiebiger betrieben. Die Auflösung bzw. ob und wie der Coup funktioniert hat, wird auch in „Duplicity" zum Schluss geklärt.
Tom Wilkinson
An den Stilmitteln gibt es im Großen und Ganzen nichts auszusetzen, auch wenn man sagen muss, dass „Duplicity" mehr sein will, als er wirklich ist. Der Film funktioniert nicht und hätte um einiges kürzer ausfallen müssen, um Tempo zu bekommen. Vielleicht hätte man auch der Rolle von Charakterquerkopf Tom Wilkinson mehr Raum bieten können.
Fazit: Alles in allem geht der schwache Kinostart von „Duplicity" in Ordnung. Empfehlenswert ist er auf jeden Fall nicht aufgrund des Unterhaltungswertes - bestenfalls wegen der Stilmittel.
Wer aber ähnlich schwergängige Filme wie „The Italian Job" mit Mark Wahlberg oder „The Score" mit Edward Norton mochte, wird auf seine Kosten kommen.
007elix am
10. Mai 2009
007elix gibt dem Streifen 3 von 7 Siebenen