Milchig und überbelichtet

Originaltitel: Blindness
Herstellungsland: CA / BR / JP 2008
Länge: 120 min.
Regie: Fernando Meirelles
Buch: José Saramago, Don McKellar
Darsteller: Julianne Moore, Mark Ruffalo, Alice Braga, Danny Glover, Gael García Bernal

Julianne Moore & Mark Ruffalo Julianne Moore & Mark Ruffalo

Eine namenlose Stadt. An einer großen Ampelkreuzung, wo hunderte von Autos auf grün warten, blockiert ein Fahrer die Straße. Unruhe entsteht. Alle Fahrer hupen. Passanten nähern sich langsam dem Wagen. Der Fahrer sagt, er sei blind.

 

Ein helfender Mann setzt sich hinters Steuer und bringt den soeben erst Erblindeten nach Hause. Den Wagen behält er.

 

So beginnt das Schreckensszenario von „Blindness", dem neuen Film von Fernando Meirelles, der für seine beiden letzten Kinofilme „Der ewige Gärtner" und „City of God" jeweils vier Oscar-Nominierungen erhielt. Die Geschichte dazu liefert der Literaturnobelpreisträger José Saramago.

 

Bei dem Erblindeten handelt es sich offensichtlich um den Ersten von Allen. Es folgt eine Epidemie, da die „milchartige" Blindheit ansteckend ist. Die Regierung reagiert darauf und sperrt die Betroffenen in eine stillgelegte Anstalt und macht die Schotten dicht.

 

Das offizielle Filmplakat Das offizielle Filmplakat

Unter ihnen befindet sich auch ein Augenarzt (Mark Ruffalo) und dessen Frau (Julianne Moore). Sie ist die Einzige, die scheinbar resistent gegen die Infektion ist. Aus Solidarität schließen sich mehrere kleine Gruppen zusammen. Unter ihnen auch eine Frau mit Sonnenbrille (Alice Braga) und ein Mann mit einer schwarzen Augenklappe (Danny Glover).

 

Bald ist die Anstallt überfüllt und die Lebensmittel, die die Insassen wöchentlich erhalten, werden knapp. Ein ehemaliger Barkeeper (Gael García Bernal) reißt die Herrschaft an sich und verlangt für Lebensmittel erst Wertgegenstände und später moralisch verwerfliche Dinge. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alle aufeinander losgehen ...

 

Der Film hat durchaus eine beklemmende Atmosphäre. Ein paar Leute haben während der Vorstellung auch den Saal verlassen. Ob aus Desinteresse oder Schockierung weiß ich jedoch nicht. Denn alles in diesem Film wirkt doch sehr künstlich und aufgesetzt. Später in der Anstalt beispielsweise treffen der erste Blinde und der Dieb, der dessen Auto stahl, aufeinander und streiten darüber. In Anbetracht der Umstände und der Situation sollten solche Diskussionen hinfällig sein. Aber nein: Es muss erst Mark Ruffalo in die Szene platzen, um uns seine Moral zu predigen.

 

Gael García Bernal Gael García Bernal

*Achtung, some Spoiler ahead*

 

Warum Julianne Moore als einzig Sehende die große Ausnahme bleibt, wird in diesem Film nicht geklärt. Und ich will auch keinen zweiten Teil sehen, um es zu erfahren. Es gibt so viele Logiklöcher, wenn man nur genau „hinsieht": Als schließlich die ganze Welt erblindet ist und Julianne Moore auf der Suche nach Nahrung einen geplünderten Supermarkt aufsucht, scheint es doch extrem weit hergeholt, dass sie im Lager regal- und tonnenweise Lebensmittel findet, die bisher noch niemand angerührt hat.

 

Und so plätschert der Film vor sich hin, ist nur mäßig bis gar nicht spannend und dramaturgisch unterkühlt und hat im Prinzip ein Nichts von einer Handlung. Als Entschädigung gibt es auch keine genialen schauspielerischen Leistungen.

 

Hier wird nur selbstverliebt herumgespielt. Die Macher scheinen sich für ausgesprochene Querköpfe zu halten. Visuell bekommt man hier aber Einiges geboten: Die Bilder sind konsequent milchig und überbelichtet gehalten. Außerdem ist die Endzeitstimmung in der Stadt toll hergerichtet und die Requisite hat eine beachtliche Arbeit abgeliefert. Aber der Rest stimmt überhaupt nicht. Das haben wir alles schon viel besser in „28 Days Later" gesehen.

 

Das Ende kommt so plump daher, wie ich es fast noch nie gesehen habe. Fernando Meirelles hat sich wohl bis dahin gut ausgetobt und hatte keinen Bock mehr. Warum kann sie als Einzige sehen? Woher kommt die plötzliche weiße Blindheit und welche Ursachen gibt es dafür? Fragen werden hier nicht beantwortet. Stattdessen kann der Mann, der als Erster erblinden musste, am Ende wieder sehen. Und bei allen anderen stirbt dann die Hoffnung zuletzt.

 

Supergeil.

 

007elix,
9.11.08

007elix gibt dem Film 2 von 7 Siebenen 007elix gibt dem Film 2 von 7 Siebenen

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