Entschleunigung!

The Wrestler „Nenn mich einfach Randy...“

Herstellungsland: FR / USA 2008
Länge: 111 min.
Regie: Darren Aronofsky
Darsteller: Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood, Mark Margolis

Mickey Rourke #Fotos: Kinoveranstalter# Mickey Rourke #Fotos: Kinoveranstalter#

Der Inhalt

Randy ´The Ram` Robinson (Mickey Rourke) war einst ein gefeierter Wrestling-Star. Doch die ruhmreiche Zeit war einmal. Er haust in einem Wohnwagen, ist ständig pleite und spritzt sich Steroide, um seinen, in die Jahre gekommenen Körper, halbwegs fit aussehen zu lassen. Mit kleinen, schlecht bezahlten Wochenendkämpfen hält er sich über Wasser. Seine Freizeit verbringt er zumeist bei seiner einzigen Freundin - der Stripperin Cassidy (Marisa Tomei). Als Randy nach einem Herzanfall gezwungen ist, beruflich kürzer zu treten, beschließt er, Kontakt zu seiner Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) aufzunehmen, für die er in der Vergangenheit aber keinen Finger krumm gemacht hat ...

 

Der Wrestler Mickey Rourke

Das offizielle Filmplakat Das offizielle Filmplakat

„... spielt die Rolle seines Lebens!" lese ich in jeder zweiten Zeitschrift. Das ist in diesem Fall in sofern korrekt, als dass Rourke eine ähnliche Vergangenheit aufweist, wie die des von ihm verkörperten Randy The Ram.

 

Beide blicken auf eine steile Karriere zurück, haben aber auch den großen Absturz hinter sich. Nachdem Rourke in den 80ern in Filmen wie „9 ½ Wochen" und „Angel Heart" brillierte, beschloss er kurzerhand die Richtung zu wechseln und „boxte" fortan nur noch. Seine ständigen Begleiter: Alkohol, Drogen...das ganze Programm eben.

 

Nach vielen Jahren für die Katz, kehrt er, physisch sehr gezeichnet, endgültig mit der Rolle des Schlägers Marv in „Sin City" zurück.

 

Der Visionär Darren Aronofsky

...ist in meinen Augen derzeit der talentierteste aller Regisseure der Gegenwart. Warum? Mit seinen bisherigen Filmen hat er konsequent seine Visionen in die Bildsprache transferiert und ihnen dabei immer seinen persönlichen Stempel aufgedrückt - und wie!

Regisseur Darren Aronofsky Regisseur Darren Aronofsky

Der Erstling „Pi", den Aronofsky (40) in schwarz-weiß dreht, ist ein kleines anspruchsvolles Meisterwerk, das fast so sehr an den Nerven zerrt wie sein Zweiter: „Requiem for a Dream". Ein Film der beklemmend und extrem erdrückend ist, obwohl man ihn irgendwann noch einmal sehen will, weil man eine masochistische Stimme in sich sagen hört: „Wow, was für ein schwer verdaulicher, aber toller Streifen - diese Qual brauch ich wieder."

 

„The Fountain" floppte leider. Zu anspruchsvoll? Zu individuell? Vielleicht auch zu verqueer, weil eine Science-Fiction-Fantasy-Drama-Romanze? Ein wenig von allem sicherlich. Sehenswert ist er auf jeden Fall, weil die Geschichte und die Bilder krachen.

 

Seit 2004 ist Darren Aronofsky mit der britischen Schauspielerin Rachel Weisz liiert. Demnächst dreht er einen Film mit dem Arbeitstitel „The Fighter" und mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle. Außerdem für 2010 in Vorbereitung: „RoboCop"?!?

 

Die Kritik

Mickey Rourke steht natürlich im Mittelpunkt von „The Wrestler" - nicht nur, weil er die Hauptrolle übernommen hat, sondern gerade wegen der Parallelen zwischen seinem Leben und dem des Charakters, den er spielt.

 

Rourke verschmilzt also mit seiner Rolle und wird dadurch zum Wrestler Randy. Darüber hinaus ist es schön, ihn mal wieder in alter Frische zu sehen. So viele glänzende Momente hatte er schließlich auch noch nicht.

 

The Wrestler The Wrestler

Was wohl der Grund dafür ist, dass niemand Mickey in der Hauptrolle haben wollte: Regisseur Aronofsky fand darum zunächst keine Geldgeber. Nur, wenn er Nicolas Cage besetzt hätte, sollte dieser Streifen einen Freifahrtsschein bekommen. Aronofsky hielt an Rourke fest, fand schließlich zahlungskräftige Produzenten und zauberte doch noch diese kleine Milieustudie auf die weiße Wand.

 

Damit beweist er Mut zur Individualität und steht gleichzeitig als sympathischer Außenseiter da, ohne die gängigen Hollywoodstars zu besetzen.

 

Marisa Tomei Marisa Tomei

Für einen Regisseur von seinem Format ist „The Wrestler" zwar sehr nüchtern, aber dennoch höchst professionell fotografiert. Aronofsky verneigt sich vor seinem Akteur Rourke, indem er ihm die Show überlässt.

Der wiederum legt die Figur als einen Mann an, der seine Fehler zwar erkennt, jedoch nicht in der Lage ist, sie zu korrigieren.

 

Die Kamera folgt dem Geschehen stets und ständig, bleibt dabei aber immer etwas zurückgezogen und losgelöst von den Personen und nimmt nie voyeuristische Züge an. Bewegende und auch komische Momente finden ihren Platz.

 

Fazit: Eine etwas andere Milieustudie, die sehr auf Realismus bedacht ist und dadurch zu überzeugen weiß.

 

007elix,

März 2009

007elix gibt dem Film 5 von 7 Siebenen 007elix gibt dem Film 5 von 7 Siebenen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading

Impressum | druckversionDruckversion | Sitemap
© Herr Poschinger / Marcus Poschlod