Poscht, Frittenhütte, Häää? - Willkommen bei den Sch'tis

Originaltitel: Bienvenue chez les Ch'tis
Herstellungsland: FR 2008
Länge: 106 min.
Regie: Dany Boon
Darsteller: Dany Boon, Kad Merad, Zoé Félix, Anne Marivin, Line Renaud

Kad Merad & Dany Boon Kad Merad & Dany Boon

„20 Millionen Franzosen können sich nicht irren!", so heißt es auf allen möglichen Werbeplakaten zum neuen französischen Kassenknaller „Willkommen bei den Sch´tis". Und in der Tat handelt es sich um eine ziemlich geile Komödie mit etwas anderem, aber eben besserem Humor, als den, den wir sonst gewöhnt sind.

 

Philippe (Kad Merad aus „Die Kinder des Monsieur Mathieu") versucht sich schon seit geraumer Zeit beruflich weiterzuentwickeln und strebt eine Verlegung an die Côte d'Azur an. Seine Frau Julie (Zoé Félix) liegt ihm dabei ganz schön im Nacken. All sein Bestreben, die Beförderung voranzutreiben geht so was von nach hinten los, dass Philippe strafversetzt wird. Aber nicht irgendwohin. Nein. Viel schlimmer noch: In den Norden!

 

Dass seine Frau und der gemeinsame Sohn dahin nicht mitkommen, ist klar. Nun: Was erwartet denn Philippe dort so Schreckliches? Die pure Hölle! Temperaturen bis zu 40 Grad minus, ein mittelalterliches Leben mit dauerhaft volltrunkenen Idioten...

 

So sagt es jedenfalls der verwöhnte Volksmund im spießigen Süden.

 

Das Filmplakat Das Filmplakat

Im Norden angekommen, wird Philippe vom permanent nuschelnden Antoine (Dany Boon), den er mal eben auf der Straße fast überfährt, herzlich empfangen. Jetzt zur verbalen Veränderung im besagten Norden: Hier wird Sch´ti gesprochen. Heißt soviel wie: Alle „S´" werden durch „Sch" ersetzt, alle Ch´s werden zu „S´" und Sch´s bleiben halt Sch´s. Hat dasch jetzt jeder verschtanden?

 

Der Norden ist eben nicht der Norden, sondern viel schöner, als es sich Philippe je hätte erträumen können. Er arbeitet bei der Poscht, zum Mittagessen geht´s zur Frittenhütte und nach dem Feierabend sieht man sich schon mal ein Fussballspiel im Stadion an - alles gemeinsam mit seinen Kollegen Antoine, der sympathischen Annabelle (Anne Marivin) und noch zwei anderen Verrückten.


Klingt langweilig? Scheint nur so. Denn was zwischendurch passiert ist urkomisch. So fährt Philippe auch mal auf dem Fahrrad mit Antoine von Haus zu Haus, um die tägliche Post auszutragen. Dabei gibt es hier mal ein Schnäpschen und dort mal ein Bierchen, bis die Beiden rosttütendicht durch die Stadt cruisen (siehe Bild oben).

 

Durch die abstrusen Situationen und Figuren in diesem Film, fällt es relativ schwer, diese Form der Komödie mit Worten wiederzugeben. Hier werden
nahezu alle Klischees, die es im hiesigen Frankreich über das Land und die Menschen gibt, bedient. Und das ist gut so. Jede Szene lebt von ihnen. Deshalb wird auch alles ausgereizt bis zum bitteren Ende. Die Dialoge, die Atmosphäre und die handelnden Personen sowieso.

 

Gerade die sind es, die den Film so sehenswert machen. Ohne dieses Ensemble, wäre alles nur halb so komisch. Ein Beamter, der sich als Behinderter ausgibt, um befördert zu werden. Ein Sch´ti, der mit Ende 30 noch bei seiner Mutter wohnt und sich sein Leben von ihr diktieren lässt...

 

Wirklich alles wird übertrieben und überspitzt. Dabei nehmen sich die Filmschaffenden/Franzosen selbst auf´s Korn und eigentlich kein Stück Ernst.
Die Gags sind teilweise sehr übertrieben und selten wirklich schlecht, weil zu einfach. Aber definitiv nicht so plump und blöd wie zum Teil in unseren deutschen Komödien („Keinohrhasen").

 

Auch die deutsche Synchronisierung trübt das Filmvergnügen leicht und kommt nicht ganz an das Charisma des Originals heran. Dafür bekommen wir kein scheiß Happy Ending zu sehen, was unglaublich sympathisch ist.

 

Unterm Strich: Eine Komödie, wie man sie lange nicht gesehen hat und deshalb unbedingt sehen sollte.

 

007elix,
17.11.2008

007elix gibt dem Streifen 5 von 7 Siebenen 007elix gibt dem Streifen 5 von 7 Siebenen

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