Es gibt Dinge, die gibt es einfach nicht.
Kürzlich war ich in Berlin - eigentlich nur um einen Döner zu essen. Und das ist auch die reine Wahrheit. Wer jetzt denkt: "Na nun ist er völlig durchgeknallt!" -
bitteschön. Denkt das nur. Mein alter Studienfreund Benjamin ist an Heiligabend nach etlichen Monaten Kanada-Aufenthalt wieder in Deutschland gelandet (weihnachtlich traditionell mit
Bart!).
In einem MSN-Chat einige Wochen zuvor, beklagte er das einfältige und ungesunde Essen der Kanadier. Zugegeben: Döner
ist nicht soviel gesünder, aber bei Weißbrot und Burger hat man halt irgendwann einen richtigen Jieper auf eine gutes, traditionelles, deutsches Essen. Ich versprach also damals: "Benjamin, wenn Du
wieder in Deutscheland bist, gehen wir einen Döner essen."
Gesagt, getan.
Wir trafen uns unweit der Weltzeituhr ... ließen uns von einem Polizisten stoppen (Ben: "Ach das ist ne Einbahnstraße?") und kamen dann letztendlich auch zu unserem
heißgeliebtem Döner. Danach gings zurück zum Berliner Hauptbahnhof - Fast eine Stunde Zeit war noch bis zur Abfahrt gen Leipzig. Also ab ins Mc Café. Edel. Glamour. Latte.
Die Zeit verging, wie sprachen über Gott und die Welt (Achtung, es wird gleich spannend!) und als ich zum Schalter der Deutschen Bahn AG komme, gibt mir eine wirklich sehr
freundliche Angestellte zu verstehen, dass die Züge nach Leipzig alle bereits gefahren sind: "Bis Falkenberg kommen Se noch!". Ich werfe ihr einen ironischen, arroganten Blick zu, der sagt: "Na, da
bin ich aber schlauer als Du ..." - Ich krame meine ausgedruckten Reiseverbindungen heraus, die ich triumphierend auf dem Tresen ausbreite ... "So!" ...
Dabei entdecke ich den Fehler: Ich habe die Züge für ein anderes Datum ausgedruckt.
Kinder, merkt es Euch: Nach 21.20 Uhr fährt kein Zug mehr von Deutschlands wichtigstem, größten und teuerstem Bahnhof in die Metropole des Ostens! Nix.
Selbst der Nachtzug über Warschau war weg (wäre dann eben eine etwas längere Tour gewesen). "Bis Falkenberg kommen Se noch" sagt Frau Bahn während sie auf den Monitor blickt. Über Magdeburg, Halle, Braunschweig, den Harz, Köln, Paris, München, Nürtingen??? Nein. Keine Chance. "Naja, wie gesagt ... bis Falkenberg kommen Sie noch!" ...
Da steht man dann wirklich am Schalter und ist für einen Moment sprachlos. Man rafft es einfach nicht.
Eine Stunde saß man am Bahnhof rum, trank Kaffee, unterhielt sich - und in dieser Zeit sind mehrere Züge gefahren.
Unvorstellbar. Was für ein Pech. Und who the fuck ist Falkenberg???
Aber nicht umsonst bin ich ja in Berlin. Die Stadt, die niemals schläft. Also ab in die Clubs, feiern, Party machen
und ab in den ersten Zug um kurz nach vier. Ich kann mir vorstellen, dass Ihr so was hier gerne lesen würdet, aber da ich mein Alter seit einigen Monaten mit "gefühlte 40" benenne, ist das nichts für
mich.
Mietwagen heißt das Zauberwort. Hertz: "Ja, wir haben einen Kleinwagen ... einen Fox ... 78 Euro."; Sixt will mir einen Ford Focus (es gibt kein Auto, dass ich mehr hasse!)
anbieten - 67 Euro. Europcar hat schon zu. Mehr ist am Bahnhof nicht. Mein Ticket kostet 18 Euro. Also beschließe ich, die Nacht in unserer Hauptstadt zu verbringen.
Gott sei Dank geht eine Cousine noch zu später Stunde ans Telefon und gewährt mir Asyl. Benjamin fährt mich hin.
Unterwegs fahren wir noch über einen Einkaufskorb, der sich vom Unterboden des weißen Citroen nicht trennen will ... Irgendwann werden wir den Korb dann doch los und der Wagen hinter uns erledigt den
Korb dann endgültig.
Ich besuche Dich bald wieder, Berlin. Komme mit der Bahn und miete mir dann in Berlin mehrmals am Tag je ein Auto von Sixt, Hertz und Europcar. Und ich spende jedem
Supermarkt einen neuen Einkaufskorb! Uff bald!