„Und? Wie fandest Du es, Poschi?“

19.09.2009

„Großartig! Ich habe mich perfekt unterhalten gefühlt" - Harald Schmidt ist wieder im Ersten zu sehen, donnerstags nach den Tagesthemen.

 

Als Schmidt am 8. Dezember 2006 bekanntgab mit Late-Night bei SAT. 1 aufzuhören, war das für mich ein echter Schock. Ich fuhr am Tag drauf gut 500 km nach Köln, besuchte noch zwei Shows und trug von da an Trauer. Ja, ich glaube ich kann von mir behaupten, ein Sympathisant von Harald Schmidt zu sein.

 

Gesehen habe ich die erste Ausgabe aber auch nur im Netz. Es hängen auch keine Poster in meiner Wohnung. Schmidt-Fan ist nicht der, der Eintrittskarten oder Autogramme von ihm sammelt. Schmidt-Fan ist nicht der, der nächtelang auf dem Bonito-Gelände in Köln-Mühlheim auf seinen Meister wartet und sich sämtliche Grippearten einfängt. Nein, Schmidt-Fan ist man vom Herzen her. Autogrammkarten, BSE-Schleifen oder Schlüsselbänder sind unwichtig und nur für die Unterschicht.

 

„Und? Wie fandest Du es, Poschi?". Ohne nachzufragen weiß ich gleich, dass es nur um Schmidt gehen kann. Oder das Kanzler-Duell. Aber darüber spricht heute niemand mehr.

 

Harald Schmidt unterhält wieder. Wenn ich die Presse zu seiner Auftaktsendung am 17.09.2009 lese, dann wird der Schauspieler immer wieder zerrissen. Zwei Ausnahmen seien hier erwähnt: Die FAZ und Reinhard Mohr vom Spiegel. Der hat ihn früher zwar gerne mal verbal exekutiert, diesmal aber begnadigt. Ansonsten lese ich, dass „Schmidt schwer mit neuer Show" gestartet ist, dass er mehr „Stirnrunzeln als Lachfalten" hinterlässt und die Sendung einer „blutleeren Schlachteplatte" glich.

Herr Poschinger und Harald Schmidt Herr Poschinger und Harald Schmidt

Immer wieder frage ich mich: Was nehmen sich diese Leute eigentlich raus? Da gibt es Redakteure, die sich über den schwachen Humor auslassen, aber alle paar Zeilen ein Zitat aus der Show verwenden. Und a propos - die Schmidt-Fans wissen es: Mit den zähen Stand-Up-Zeiten des Schmidt hatte das am Donnerstag nun wirklich nichts zu tun. Es waren gute Pointen, auf den Punkt, so wie sonst im deutschen Fernsehen niemand setzen kann.

 

Weiter lese ich: „Mehr denn je interessiert es Harald Schmidt einen feuchten Kehricht, was die ARD-Oberen, Feuilletonisten oder gar er selber von sich erwartet." Herrlich! Na klar! Sicher sitzt der Journalist des „Hamburger Abendblatt" jeden Abend mit Schmidt beim Glas Beaujolais Primeur zusammen und nur dort spricht sich Harald mal so richtig aus: „Du, ganz ehrlich ... das Ganze interessiert mich einen feuchten Kehricht, was die alle von mir denken ...!"

 

Die Quote wurde oft kritisiert. 1,39 Millionen. Mein Gott, bei SAT. 1 hätten sie um Martin Hoffmann Luftsprünge gemacht bei diesen Zahlen. Oft hatte Schmidt die dort nicht erreicht. Vielleicht ist es ja auch nicht auf die Masse ausgelegt. Ist darauf schon mal jemand gekommen? Hätten die Press-Kollegen wirklich von einem „soliden Start" gesprochen, wenn es 1,89 Millionen Zuschauer gewesen wären? Mehr ist doch vor Mitternacht nicht drin.

 

Und noch was: Ja, das ist nichts Neues! Richtig. Late-Night war immer so und ist auch momentan so. Letterman & Co machen es doch vor. Warum wird Schmidt nun so oft zerrissen über die ersten 47 Minuten (nicht 45!) der neuen Staffel? Ich weiß es nicht. Vielleicht fällt es heute einfach mal schwer, sich berieseln zu lassen. Glotze an, Bierchen auf und einfach mal was Gutes erleben. Immer mehr wird jeder selbst zum Kritiker und meint „früher war er bissiger".

Heinz Schenk ##F: BR## Heinz Schenk ##F: BR##

„Wetten dass ..?!" war früher auch mit besseren Wetten bestückt, über die wir am Montag gesprochen haben. „Verstehen Sie Spaß?" war auch wirklich mal lustig ... und Heinz Erhardt, ja der hat echte Schenkelklopfer gebracht ... und Carrell und dann dieses „Dalli Dalli" damals - und wissen Sie noch? „Zum blauen Bock" mit Heinz Schenk hatte am Samstagnachmittag 20 Millionen Zuschauer!

 

Ja so war das mal. Aber nun haben wir diese Flut von schlechter Comedy. Das Adjektiv schlecht kann ich streichen. Comedy heißt in Deutschland ja oft automatisch: austauschbar, beliebig, billig, schlecht.

 

Aber da erscheint ein Schiff am Horizont, auf dem das Licht irgendwie anders scheint ... Lassen wir es zu, dass es an unserem deutschen Hafen festmacht. Unser Schaden wird es sicher nicht sein.

 

Passen Sie gut auf sich auf.

 

Ihr
Pfarrer Fliege

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5 Kommentare

  • #1

    miss honeymoon (Samstag, 19 September 2009 21:41)

    das foto von euch is sooo knuffig! hätte nicht gedacht, dass her schmidt wirklich bei deiner jugendweihe war!

  • #2

    francesca (Samstag, 19 September 2009 22:27)

    hach, der letzte absatz ist einfach... entschuldigung, ich muss die taschentücher holen. danke!

  • #3

    miss honeymoon (Samstag, 19 September 2009 23:23)

    was ich noch vergessen hatte, ich finde, du hast vollkommen recht! in zeiten von immer niveauloseren inhalten in form von "real life"-dokus sollte man diese 47 minuten vollkommen auskosten und zu schätzen wissen!

  • #4

    Agent Dexter (Sonntag, 20 September 2009 09:57)

    Du solltest Dich wirklich wirklich öfter ausgiebiger bestimmten Inhalten widmen. Ein Video ab und zu ist natürlich auch toll, aber echt: im Schreiben liegt Deine Stärke! Ganz toll, wirklich. Wo kann ich unterschreiben?

  • #5

    Daniel (Sonntag, 20 September 2009 19:20)

    Also, ich hab mir die Sendung am Freitag nachträglich online angeschaut und muss sagen, dass ich mich auch bestens unterhalten gefühlt habe. Das Ensemble ist hochkarätig, im Hintergrund ist der von mir hochverehrte Friedrich Küppersbusch mit dabei etc. Ich bin bei dieser Staffel jedenfalls wieder gerne so oft es geht mit dabei.

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