Noch'n Kaffee???

 

Ich werde wach. Ich habe die schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens, torkele aus meinem Bett und stolpere ins Bad. Ja, ein schönes warmes Bad ist genau das, was ich jetzt brauche. Das Sommerfest gestern Abend war recht heftig. Während das Wasser in die Wanne läuft, verschafft mir eine 4,30 € teure 0,2l-Cola aus der Minibar ein besseres Gefühl.

 

 

Nach dem Baden geht's aus dem achten Stock in die Hotellobby, wo ich verzweifelt, unrasiert und mit halbgeöffneten Augen das Restaurant suche.

 

Ein Beau-Page wie aus dem Film begrüßt mich überschwänglich und zeigt mir den Weg. Ich nicke.

 

Vorbei an zahllosen Bars und Lobbys, die mich ungewollt an den gestrigen Abend erinnern, sehe ich endlich das Schild der Schilder: "Restaurant". Eine 55jährige Fachkraft dieses Hauses empfängt mich nett mit der Begrüßung: "Zimmernummer?". Ich grüße zurück: "828".

 

Höflich weißt mich die Dame daraufhin, dass es nur noch bis 11 Uhr Frühstück gibt. Mindestens genauso höflich erwidere ich, dass ich ja dann noch gut 10 Minuten habe. Sie lächelt verlegen. Ich nicht.

 

 

Wo sind die Teller? Ich finde kein Besteck. Würstchen zum Frühstück? Egal. Mmmmh - einen großen thermischen Behälter mit der Aufschrift "Rührei mit Schinken" scheint von einem Heiligenschein umgeben. Natürlich ist er leer. Typisch. Fisch? Nein. Mir ist schlecht. Ich habe schlechte Laune – jedenfalls bis ich die Obstabteilung finde. Wo verdammt noch mal ist das Besteck? Klar, logisch. Es ist am Platz. Ich setze mich hin, schlürfe meinen Joghurt.

 

 

Um mich herum nur versnobte Typen im Nadelstreifen. Eine Bedienung bietet mir Kaffee an, ich lehne ab. Ich hasse Kaffee. "Kann ich 'ne Tasse Tee haben?". "Kein Problem, in der Lobby bei der Rezeption gibt's auch Tee!" lächelt sie zurück. Schönen Dank.

 

 

Der Joghurt und das Obst schmecken. Ich spüre, wie sich einzelne Organe wieder anmelden. "Noch Kaffee?" fragt mich nun eine andere Bedienung. Ich winke nur ab. Ich beobachte die Angestellten dort.

 

Ich zähle vier Kellnerinnen. Zwei junge, zwei ältere. Nach ein paar Minuten fällt mir auf, dass es fünf sind. Ein Zwillingspaar ist auch dabei. Auffallend: Die Kellnerinnen halten sich ihre Hand seltsam am Rücken. Anordnung vom Chef oder doch die Bandscheibe? Eine Angestellte mit Tischdecke um der Hüfte kommt grienend auf mich zu. Und schon in diesem Moment wusste ich, welche Frage sie mir gleich stellt:

 

"Wünschen Sie Kaffee?" ...

Kommentar schreiben

0 Kommentare

  • loading

Impressum | druckversionDruckversion | Sitemap
© Herr Poschinger / Marcus Poschlod