Obdachlos in Wien ... oder die Geschichte von Terror-Maria

Urlaub am Strand ist langweilig. Beliebig. Nichts Besonderes. Das kann jeder. So richtig spannend wird doch erst ein Urlaub, wenn man was zu erzählen hat, oder? Ich habe was zu erzählen. Aber Vorsicht: Euch wird der Atem stocken, Ihr werdet sagen „Unglaublich … das ist wirklich passiert?!“ …

 

Wien. Ich besuchte dort meine beste Freundin Franziska (manche kennen sie auch, ich habe mit ihr unter anderem Theater gespielt). Sie wohnte zu dieser Zeit noch in einer WG zusammen mit Terror-Maria. Die nannte ich so, da sie, nachdem sie von den Auszugsplänen von Franziska erfuhr, Panik und Stress geschoben hat. Die Beiden kamen nicht mehr ins Gespräch, was vorher gut funktionierte, war nun völlig aus den Fugen.

 

Dies sollte auch ich zu spüren bekommen. Ich war einen Abend zuvor in Wien angekommen, lag noch im Bett, als Franzi zur Arbeit ging. Als Franzi gerade weg war, hörte ich im Flur Geräusche, wusste also, dass Terror-Maria im Hause war. Deshalb beschloss ich, meine Morgentoilette etwas zu verschieben und surfte mit dem Laptop etwas im Internet. Bis zu dem Moment, an dem es an der Tür klopfte. Ich stockte kurz, die Tür ging langsam auf und der Kopf von Terror-Maria schaute hindurch. Sie sprach leise aber bestimmt: „Wer sind Sie???“ … ich: „Marcus, Hallo, bin ein Freund von Franzi!“, sagte ich lächelnd und dachte mir so, dass sie das doch sowieso wüsste, da ich ja angemeldet war. Egal. Weiter im Text.

 

„Ich kenne Sie nicht“, sagt Terror-Maria mit weit geöffneten Augen. „Sie sind für mich ein fremder Mann in meiner Wohnung“, näselt sie, „entweder Sie gehen jetzt sofort oder ich rufe die Polizei!“. Ich schaue sie an und denke, dass das doch nicht wahr sein kann. Ich bitte sie Franziska anzurufen, dann wird sich alles klären. Sie siezt mich, ich sieze sie ebenfalls. Sie schließt die Tür.

 

Ich sitze auf dem Bett. Nehme wieder meinen Laptop. Nach kurzer Zeit denke ich mir so: „Nein, das wird sie nicht tun … sie wird nicht die Polizei holen“ – bis es an der Tür klingelt. Wirklich wahr. Ich höre im Flur tiefe Männerstimmen und darauf hin klopft es an meiner Tür. Ich springe schnell hoch, ziehe mir wenigstens schnell eine Hose an – da stehen auch schon zwei Beamte in der Tür. „Servus“ … ja, Servus!

 

Der Polizist erklärt mir im schönen Wiener-Slang, dass sich die Dame beschwert hat, in ihrer Wohnung befände sich ein fremder Mann … Ich erklärte kurz die Lage und nach und nach wurde mir die Sache peinlicher. Nicht der Situation wegen (was kann ich für Terror-Marias Aktionen?!) – nein, ich trug ein T-Shirt, das ich einige Tage zuvor im Rahmen eines Junggesellinnenabschieds bekam. „Junggesellinnenfee Herr Poschinger“ steht dort in großen Lettern drauf. Der Polizist starrt immer wieder auf dieses oberpeinliche Shirt. Als er kurz zu Terror-Maria geht, ziehe ich mir was anderes an. So fühlen wir uns Beide besser, dachte ich mir.

 

Um es kurz zu machen: Terror-Maria bestand weiterhin darauf, dass das ihre Wohnung ist, von mir wüsste sie nichts – und ich solle gehen. Die Polizisten wussten auch nicht weiter, da ja Untermieter (wie Franzi) natürlich auch Besuch mitbringen dürfen. Um es nicht weiter eskalieren zu lassen, gab ich an, die Wohnung alsbald zu verlassen. Die Beiden begrüßten das, Terror-Maria schwieg mit verschränkten Armen. Die Polizisten verabschiedeten sich von mir, während ich schon packte. Dann standen sie auf einmal wieder in der Tür – schlossen sie hinter sich und sagten mit gerollten Augen: „Die Dame wünscht, dass wir solange bleiben, bis Sie weg sind …!“

 

Natürlich. Ich nehme schnell die Waschtasche will ins Bad. Der nächste Eklat. Terror-Maria stellt sich mir in den Weg und faucht: „Sie verschwenden mein Wasser nicht!“. Ich: „Ja, ich will es auch nicht verschwenden, sondern mich nur frisch machen!“. Es folgt ein Wortgefecht, dass ein Polizist beendet: „Der Herr Marcus macht schneeeeell“, wienert er und schiebt mich dabei an Terror-Maria vorbei. Zehn Minuten später gehe ich mit den Polizisten aus der Wohnung. Vor dem Haus frage ich sie, ob sie ein Hotel hier in die Nähe kennen würden. Die Beiden sahen sich an, nuschelten einige Hotelnamen vor sich hin und blickten mich an: Mich armen Obdachlosen mit fünf Taschen und Beuteln. „Ach, Fahren wir ihn schnell, oder?“ – Ja, gute Idee, dachte ich. Mit Polizeiwagen wurde ich dann zu einem Hotel gebracht. Die Dame an der Rezeption schien mein Aussteigen aus dem Polizeiwagen beobachtet zu haben, schaute etwas selten drein, sagte aber nichts.

 

Freue mich auf meinen nächsten Wien-Besuch. Die Polizisten sind jedenfalls sehr sehr freundlich. Pfuerti …

 

... und hier weitere passende Musik dazu ...

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